Ministerbesuch im LIFE-Natur Projekt: Bilder und Presseberichte
Regnitzlosau: Bayerns Umweltminister Schnappauf hat gemeinsam
mit seinem sächsischen Kollegen Flath ein Projekt zum Schutz der vom
Aussterben bedrohten Flussperlmuschel gestartet. Für gut eine Million
Euro sollen an Bächen in Bayern, Sachsen und Tschechien Schlammfangbecken
gebaut werden, denn die Muschel kann nur in ungetrübtem Wasser überleben.
(Quelle: Bayerischer Rundfunk-Radionachrichten; 27.06.2003)
Der bayerische Umweltminister Dr. Werner Schnappauf (links
im Bild) und der sächsische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Steffen
Flath (rechts) erläuterten die Notwendigkeit des Projektes zum Schutz
der Flussperlmuschel durch den Bau eines Schlammfangbeckens am Steinseifelbach
direkt vor Ort. Hier zusammen mit dem Vizepräsidenten des Bezirkstags
Oberfranken Gerhard Seuling. Im Anschluss daran fand der Spatenstich statt.
(Foto: Brömme/Ingenieur-Team)
Projektmanager Dr. Robert Vandré überreichte
dem bayerischen Umweltminister im Beisein von Kommunalpolitikern, Behördenvertretern
und Vertretern von Umweltverbänden (auch aus Tschechien; im Bild hinten
links: Regina Kindratova, Bezirksamt Karlsbad) symbolisch für die
Förderung der Muschel-Wirtsfische ein Aquarium mit einheimischen Bachforellen.
(Foto: Brömme/Ingenieur-Team)
FLUSSPERLMUSCHEL IM DREILÄNDERECK
,,Ein Schutzprojekt von einzigartiger Bedeutung“
VON THOMAS SCHUBERTH-ROTH
Ein länderübergreifendes Naturschutzprojekt
zum Schutz der Flussperlmuschel wurde gestern Vormittag in Mittelhammer
vorgestellt. Am Steinseifelbach entsteht ein Schlammfangbecken zur Verminderung
des Schwebstoff-Eintrags in Perlmuschelgewässer. Die Bedeutung des
Projekts wurde unterstrichen durch hohe politische Prominenz: Bayerns Umweltminister
Dr. Werner Schnappauf und sein sächsischer Amtskollege Steffen Flath
waren gekommen. Statt eines Spatenstichs im Beisein von Kommunalpolitikern,
Behördernvertretern und Vertretern von Umweltverbänden - auch
aus Tschechien - wurden Forellen ausgesetzt.
MITTELHAMMER - Als ein in seiner Art einzigartiges Naturschutz-Großprojekt
zum Erhalt der Flussperlmuschel im bayerisch-sächsisch-böhmischen
Grenzgewässer bezeichnete Umweltminister Dr. Werner Schnappauf das
Vorhaben am Steinseifelbach unweit von Mittelhammer auf dem Gebiet der
Gemeinde Regnitzlosau. Mit hohem Kostenaufwand würde hier versucht,
beste Bedingungen zu schaffen, um ein Überleben der Flussperlmuschel
und der Bachmuschel im Flusssystem der Südlichen Regnitz im Gebiet
des Dreiländerecks zu sichern. "Das ist ein Artenschutz-Projekt von
internationaler Bedeutung." Das Projekt auf einer Fläche von 105 Hektar
ist eines von fünf im Jahr 2002 in Deutschland genehmigten so genannten
LIFE-Projekten und das einzige in Bayern. Im Rahmen einer fünfjährigen
Laufzeit von November 2002 bis 2007 beläuft sich der Projektetat auf
1,056 Millionen Euro, allein die Hälfte kommt davon aus einem EU-Fördertopf.
Fördernehmer ist das Bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung
und Umweltfragen, Träger der Bezirk Oberfranken, der sich mit 152000
Euro finanziell beteiligt. Weitere Projektpartner sind das Landratsamt
Hof mit einer Beteiligung von 51000 Euro, der Zweckverband Naturpark "Erzgebirge/Vogtland";
294000 Euro kommen aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds.
Zum Projektinhalt sagte Projektmanager Dr. Robert Vandrè,
dass durch den Bau von Schlammfängen an den Mündungen der Seitengewässer,
durch Offenlegung von Ausläufen der Hauptdränleitungen sowie
durch eine eine maßvollere Nutzung von Fischteichen die Schlamm-
und Nährstoffeinträge verringert werden sollen. Der Fuhrbach,
ein sächsisches Seitengewässer der Südlichen Regnitz, sei
zu diesem Zweck bereits renaturiert worden. Außerdem werde versucht
durch Förderung der Muschel-Wirtsfische und künstliche Wirtsfischinfektion
mit Muschellarven den Muschelnachwuchs zu steigern, so Dr. Vandrè.
Aus diesem Grund setzten - statt des sonst üblichen
Spatenstichs - die beiden Umweltminister aus Bayern und Sachsen, Werner
Schnappauf und Steffen Flath, unter tatkräftiger Hilfe von Gerhard
Seuling, Vizepräsident des Bezirkstags Oberfranken, 200 Bachforellen
aus der Fischzucht Kleppermühle aus. An deren Kiemen setzen sich im
Spätsommer die Perlmuschellarven fest und entwickeln sich so bis zum
folgenden Frühjahr zur Muschel. Dann fallen sie ab und wachsen im
Bachbett weiter. Aber nur, wenn sie ein ,,blitzsauberes`` und schlammfreies
Kiesbett vorfinden.
Dr. Schnappauf: "Unsere Generation hat eine besondere
Verantwortung, die rund 80 Millionen Jahre alte Tierart zu erhalten." In
früheren Jahrhunderten konnten bayerische und sächsische Könige
Kronen mit Perlen aus Oberfranken und dem Vogtland tragen. Durch zunehmende
Gewässerbelastung im 20. Jahrhundert sind die wertvollen Flussperlmuschelbestände
dramatisch zurückgegangen. Der Freistaat Bayern hat laut Schnappauf
ein Sonderprogramm aufgelegt mit dem Ziel, dass Oberfranken in Zukunft
Perlmuschelland bleibt. Noch etwa 25000 Perlmuscheln, die bis zu 130 Jahre
alt werden können, leben in oberfränkischen Bächen. Die
Bestände im Gewässersystem der Südlichen Regnitz sind deutschlandweit
die größten der einst weit verbreiteten Weichtiere in harter
Schale.
Schnappauf sieht in der Folge des Artenschutzprogramms
auch einen wichtigen Standortfaktor: "Die Verbesserung der Wasserqualität
ist eine Verbesserung der Lebensqualität und damit auch der Standort-Qualität."
Erst die deutsche Einheit habe das Flussperlmuschel-Schutzprojekt ermöglicht,
sagte der sächsische Umweltminister Steffen Flath, und nannte es dafür
ein "gutes Symbol". Sein Dank galt dabei auch den vielen ehrenamtlichen
Naturschützern, die sich seit Jahren um die Muschel bemühten,
sowie Landwirten, Kommunen und Behörden, die das Projekt unterstützen.
(Quelle: Frankenpost
online; 28.06.2003)
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