![]() Life-Natur Projekt LIFE2002NAT/D/8458 |
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Renaturierung eines SeitengewässersEin Seitengewässer der Hauptbäche im Projektgebiet wurde auf einer Länge von 400 m in einen naturnahen Zustand rückgeführt. Der Bachlauf wurde aus seiner derzeitigen Verrohrung genommen und in Mäander gelegt. Der durch die Maßnahme betroffene Gewässerabschnitt stellte das letzte verrohrte Gewässerstück im Einzugsgebiet auf sächsischer Seite dar. Durch die Renaturierung wurde die Selbstreinigungskraft des Gewässers erhöht. Damit sinkt die Gefahr von Nährstoffeinschwemmungen in die Muschelgewässer. Die Durchgängigkeit wurde erhöht und der renaturierte Bachabschnitt sowie das oberhalb liegende Gewässer als Lebensraum für Fische zurückgewonnen. An den Mündungen von 9 Seitengewässern der Muschelbäche im Projektgebiet wurden naturnahe Schlammfänge errichtet, die ein Passieren des Geschiebes erlauben, jedoch einen Teil der feinen Partikel ablagern. Die Anlage der Schlammfänge orientiert sich an natürlichen
Akkumulationszonen für Feinsediment in mäandrierenden Bachläufen:
Nahe der Mündung zum Hauptbach wird der Bachlauf der Seitengewässer
an einer oder mehreren Stellen auf die fünf- bis zehnfache Breite
aufgeweitet. Das Hauptfließgerinne wird entlang der einen Seite der
Aufweitung geführt. In einer Vertiefung im Strömungsschatten
kann sich feines Sediment ablagern. Steine und Kies, also das Geschiebe
der Seitengewässer, soll mit dem Hauptstrom in den Hauptbach transportiert
werden, damit sich dort neuer kiesiger Bachgrund bilden kann. Die Wirkung
der Fänge beruht also auf einer Verringerung des Anteils feiner Sedimentpartikel
im Geschiebe der Seitengewässer. Im Falle von Hochwässern
treten die Seitengewässer über und fließen flächenhaft
dem Vorfluter zu. Durch die Grundwasseranhebung und teilweise Vernässung
der Mündungsbereiche wird die Pufferwirkung des Projektgebietes
gegenüber eutrophierenden Einträgen aus dem weiteren Einzugsgebiet
etwas verbessert.
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![]() Schemazeichnung eines Schlammfangs |
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Errichtung befestigter FurtenDurch die Haltung einer Mutterkuhherde auf Flächen beidseitig des Muschelgewässers kam es im unmittelbaren Uferumgriff zu Erosion und damit zu erhöhtem Sedimenteintrag in den Vorfluter, da die Tiere beim Weidewechsel den Bach queren müssen und die Durchtriebsstellen als Tränke genutzt werden. Die Durchtriebsstellen wurden zu befestigten Furten ausgebaut, um die Erosion einzudämmen. Öffnung von DräneinleitungenDie Austritte von 5 Dränleitungen, die Drängebiete direkt in die Muschelbäche im Projektgebiet entwässern, wurden über eine Strecke von 10 bis 200 m offengelegt. Die Dränleitungen wurden geöffnet und in neu angelegten Gräben zum Bach geführt. Eine Wiedervernässung durch einfache Entfernung der Dränleitungen ist in den meisten Fällen nicht möglich, da hierdurch die gedränten privaten Grundstücke in Mitleidenschaft gezogen würden. Durch den Sauerstoffzutritt bei Offenlegung wird das in den Dränwässern enthaltene reduzierte Eisen vollständig oxidiert und ausgefällt. Eine spürbare Verringerung des Ockeraufkommens im Muschelbach ist zu erwarten. Umwandlung von TeichanlagenIm FFH-Gebiet, dem Projektgebiet im engeren Sinne, oder in unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich einige Hobbyteichanlagen. Durch die Fischhaltung gelangen Nährstoffe aus der Fischfütterung und Fischfäkalien in den Bach (Stichwort: Eutrophierung). Bei der herbstlichen Abfischung der Teiche, insbesondere bei ihrem Ablassen und der Entschlammung, gelangen erhebliche Schlammfrachten in den Bach (Verschlammung). Die Erwärmung des Wassers im Teich fördert zusätzlich die Sauerstoffzehrung im Bach. Zwei bachnahe Teiche wurden aufgekauft und repariert. Sie werden nicht abgefischt und können als Nahrungsteiche für den Nahrungsgast Schwarzstorch (Ciconia nigra) sowie als Amphibienlebensraum mit randlichen Verlandungszonen dienen. Flussperlmuschel: Bestandesstützung in optimierten HabitatenDie Vorkommen von Margaritifera margaritifera im Projektgebiet sind überaltert und in akutem Rückgang begriffen. Derzeit verhindert die hohe Feinsedimentbefrachtung des Lückensystems im Bachgrund (Interstitial) ein erfolgreiches Aufwachsen von jungen Muscheln (vgl. hierzu auch Altmüller & Dettmer 2000). Um einem mittelfristig drohenden Erlöschen der Vorkommen vorzubeugen und bis die Maßnahmen zur Wiederherstellung einer ausreichenden Habitatqualität Wirkung zeigen, wurde die Verjüngung durch künstliche Infektion von Wirtsfischen mit Larven der Flussperlmuschel verstärkt. Als optimierte Lebensräume für die künstlich gewonnenen Jungtiere dienen ein künstlicher Muschelgraben und künstlich entschlammte Gewässerabschnitte. Insgesamt 10 Gewässerabschnitte wurden mechanisch aufgelockert und entschlammt. Dazu wird das Sediment mit dem Bagger entnommen und außerhalb des Baches auf einem LKW gewaschen. Anschließend kommt es wieder in den Bach. |
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Muschellarven an einer Forellenkieme
Frisch von Wirtsfischen abgefallene Jungmuscheln |
Der Muschelgraben und die gereinigte Bachstrecke wurden
mit Jungmuscheln besetzt. Dazu werden Wirtsfische mit
Larven (Glochidien) infiziert. Die Fische werden in einer Fischzucht
über den Winter gehältert, bis die Umwandlung der Glochidien
zu Jungmuscheln abgeschlossen ist. Dann werden die infizierten Fische in Kunststoffbecken gehältert und die
abgefallenen Jungmuscheln gewonnen und in den gereinigten Gerinnestrecken
an markierten Stellen direkt in das Sediment eingebracht.
Bachmuschel: Verstecke und Laichplätze für die Wirtsfische und BestandesstützungDie zur Zeit noch unzureichende Habitatqualität für die Bachmuschel Unio crassus im Projektgebiet verhindert ebenso wie bei der Flussperlmuschel die natürliche Verjüngung. Auch das Vorkommen von Unio crassus im unteren Projektgebiet ist überaltert und in akutem Rückgang begriffen. Die natürliche Verjüngung wurde durch einen verbesserten Lebensraum für die zu wenig vorkommenden Wirtsfische dieser Muschel, vor allem die Elritze Phoxinus phoxinus, unterstützt. Hierzu wurden günstige Laichplätze eingerichtet und Unterstände geschaffen, die für die Fraßfeinde der Kleinfische, insbesondere Alttiere der Bachforelle Salmo trutta und des Döbel Leuciscus cephalus, nicht erreichbar sind. In eine 300 m lange, von der Bachmuschel besiedelte Bachstrecke wurden Totholz/Wildholz und Raubäume eingebracht und Uferverflachungen angelegt. Diese Maßnahme verringert die Verluste der Muschellarven (Glochidien) in der besonders kritischen Phase nach der Abgabe in die freie Welle des Gewässers, da die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass sich die Glochidien an den Standplätzen für Kleinfische erfolgreich an den Kiemen eines geeigneten Wirtsfisches anheften können. Die Maßnahme kommt daneben den Jungfischen anderer Fischartenarten und Kleintieren (z.B. Libellenlarven) und damit der gesamten Lebensgemeinschaft zu Gute. Zusätzlich wurden Wirtsfische künstlich mit
Bachmuschel-Glochidien infiziert und ausgesetzt.
Mit bachständigen
Glochidien werden mehrere Hundert Wildfänge der Elritze aus dem
Gewässersystem
infiziert. Die Fische werden im Bach in Reusen gehältert, bis die
Umwandlung der Glochidien zu Jungmuscheln weitgehend abgeschlossen ist.
Dann werden die mit Muschellarven infizierten Elritzen in der
strukturverbesserten Bachstrecke ausgesetzt, so dass die Jungmuscheln
hier abfallen.
Muschelbänke sind selten geworden in mitteleuropäischen Perlbächen ErfolgskontrolleDie Erfolgskontrolle dient der Überprüfung der Ergebnisse der Projektmaßnahmen im Sinne der Projektziele. Für die einzelnen Ziele werden folgende Kontrollindikatoren erfasst: 1)
Verringerung der Feinsediment-, Nährstoff-
und Eisenockerfracht in den Bächen des Projektgebietes:
2) Verbesserung der Lebensräume für die Flussperlmuschel
und die Bachmuschel und ihre Wirtsfische:
3) Verjüngung der Muscheln im Gewässer:
Erfolgskontrolle ist notwendig, um die Stimmigkeit der Kette von diagnostizierten Gefährdungen, ergriffenen Maßnahmen und erzielten Verbesserungen zu überprüfen. Auf diese Weise wird sichtbar, ob das Projekt für sich genommen sowie zusammen mit den übrigen Schutzaktivitäten Erfolg hat: Die Kontrollen erfassen zum Einen die Funktion der Projektmaßnahmen an sich, also etwa, ob die Schlammfänge die gewünschte Wirkung erzielen, nämlich dem Hauptbach schlammarmes Sediment zukommen zu lassen. Sollte dies nicht der Fall sein, können entsprechende Korrekturen durchgeführt werden. Zum Anderen geben die Beobachtungen der Muscheln und ihrer Wirtsfische Hinweise darauf, ob die Projektmaßnahmen, die ja nur einen geringen Teil der Einwirkungen beeinflussen können, im Gefüge des gesamten Ökosystems mit seinem stofflichen Einzugsgebiet wirksam werden oder ob ein Erfolg durch weitere Gefährdungsquellen verhindert wird. |
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Schmidt und Robert Vandré (Schmidt & Partner GbR) und unterliegen
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