Life-Natur Projekt
LIFE2002NAT/D/8458
 
Flussperlmuschel: Jungmuschelgewinnung 
und Bachmuschel: Bestandesstützung in optimierten Habitaten
 
Flussperlmuschel: Jungmuscheln und entschlammtes Sediment
Die Verschlammung des Bachgrundes verhindert, dass junge Flussperlmuscheln aufwachsen. Im mit Feinsedimenten zugesetzten Lückensystems zwischen den Bachkieseln (Interstitial) fehlt der Sauerstoff zum Atmen. Um die Muschelbestände zu stützen, werden Jungmuscheln durch künstliche Infektion von Wirtsfischen gewonnen. Damit diese gute Überlebenschancen haben, müssen sie in einen optimalen Lebensraum ausgesetzt werden. Für die künstlich gewonnenen Jungtiere wurden optimierte Lebensräume hergestellt, indem kurze Gewässerabschnitte vom Schlamm befreit wurden.
Insgesamt wurden sechs Teilstrecken auf einer Länge von 20 bis 30 Metern mechanisch entschlammt. Die lebenden Muscheln waren zuvor abgesammelt und in ein Depot gesetzt worden.
Um den ausgetriebenen Schlamm dauerhaft aus dem Gewässer zu entfernen, wurde das Sediment der Bachsohle aus dem Bett entnommen und am Ufer auf einem Lkw-Anhänger abgelegt. Mit Hilfe einer Feuerwehrspritze wurde das gesamte Räumgut anschließend mit Bachwasser gespült. 
Die Ladefläche des Hängers wurde dabei leicht schief gestellt, so dass Wasser und Schlammteilchen in die Uferwiese ablaufen konnten. Grobsand, Grus und Steine wurden anschließend wieder ins Bachbett zurückgegeben. Bei Bedarf wurde Material aus einem nahe gelegenen Steinbruch zugemischt, um den ausgewaschenen Schlamm zu ersetzen und wieder die ursprüngliche Menge in den Bach zurückzugeben.
Das Sediment wurde vorher und nachher auf seinen Schlamm- und Sandgehalt untersucht. Diese Untersuchung wird später wiederholt, um festzustellen, ob das gereinigte Sediment schnell von Neuem verschlammt.
Über den entschlammten Bachstrecken wurden im Frühsommer 2004 ein Teil der im Vorjahr mit Perlmuschellarven infizierten Bachforellen für kurze Zeit in Reusen ausgesetzt. Die Jungmuscheln konnten so im natürlichen Habitat abfallen. Von einem anderen Teil der infizierten, gehälterten Fische wurden ca. 120.000 junge Flussperlmuscheln gewonnen und in den gereinigten Gerinnestrecken an markierten Stellen direkt in das Sediment eingebracht. 
Bachmuscheln: Verstecke für die Wirtsfische und künstliche Infektion
Im Bereich des Bachmuschelvorkommens war das Gewässer relativ strukturarm: Fließgeschwindigkeit, Wassertiefe und -breite waren über weite Strecken relativ einheitlich, Unterstände für Fische auf Grund einer gleichförmigen Uferstruktur nur unzureichend vorhanden. Um hier die Lebensbedingungen für Kleinfische und insbesondere für die als Wirtsfische der Bachmuschel geeigneten Elritzen (Phoxinus phoxinus) zu verbessern, wurden im Herbst 2004 Raubäume in das Gewässer eingebracht und gleichzeitig Uferverflachungen angelegt. Sie bieten den Kleinfischen vor größeren Räubern sichere Unterstände, günstige Laichplätze und geschützte Aufwuchsorte für die Jungfische. Mit der Erhöhung des Wirtsfischangebotes werden die Chancen einer erfolgreichen natürlichen Infektion und Reproduktion der Bachmuschel verbessert.
Da das Bachmuschelvorkommen sehr klein und stark überaltert ist, soll über einige Jahre durch künstliche Infektion von Wirtsfischen die Verjüngung der Population unterstützt werden. Hierzu wurden erstmals im Frühsommer 2004 von trächtigen Bachmuschelweibchen Larven (Glochidien) gewonnen. Durch eine elektrische Befischung wurden im Muschelgewässer Elritzen gefangen, mit den Larven infiziert und anschließend in der Bachmuschelstrecke wieder freigelassen. Dort warfen sie die Jungmuscheln ab. Auf diese Weise konnten in 2004 ca. 65.000 junge Bachmuscheln in das Gewässer eingebracht werden. 
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