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| Projektbeschreibung
Kulturlandschaft
am Dreiländereck
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Im
nördlichen Bayern treffen sich die Wasserscheiden der Fluss-Systeme
der Donau, der Elbe und des Rheins, nahe der Grenze zu Sachsen und zum
Nachbarland Tschechien. Das Verbreitungsgebiet der stark vom Aussterben
bedrohten Flussperlmuschel Margaritifera margaritifera erstreckt
sich auf das Fichtelgebirge, das Erzgebirge, den Frankenwald und den Oberpfälzer
Wald und damit über alle drei Flusssysteme.
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Unmittelbar
am früheren Eisernen Vorhang, im Gebiet des Dreiländereckes Bayern
- Sachsen - Tschechien, haben sich im Flusssystem der Südlichen Regnitz
Bestände der Flussperlmuschel erhalten, die zu den bedeutendsten
in Mitteleuropa zählen. Und mit der Bachmuschel Unio crassus
kommt hier eine weitere vom Aussterben bedrohte Großmuschel vor.
Die Muscheln sind ein deutliches Zeichen für die außergewöhnliche
Qualität der Gewässer: Besonders die Flussperlmuschel gedeiht
nur in sehr kalk- und nährstoffarmen, und das heißt auch, in
äußerst sauberen Flüssen und Bächen.
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Flussperlmuscheln
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Bachmuscheln
(Foto: Susanne Hochwald)
Die Perlen in den
Bächen sind in Wirklichkeit die Muscheln selbst: Nur eine unter
Tausenden der dickschaligen Flussperlmuschel produziert eine Perle, und
diese sind zumeist braun und rau wie Pfefferkörner.
Bachmuschel und Flussperlmuschel
leben von der Nahrung, die sie direkt aus dem Wasser herausfiltern. Dabei
ist die Flussperlmuschel mit ihrem sauberen, nahrungsarmen Lebensraum ein
echter Hungerkünstler. Sie wächst langsam, erreicht aber ein
stolzes Lebensalter von über 100 Jahren. Die Bachmuschel gedeiht
auch in mäßig nährstoffhaltigem Wasser und wird ''nur''
20 Jahre alt. Jedes Jahr stoßen die weiblichen Bachmuscheln über
10.000 Larven in das Bachwasser aus. Bei der Flussperlmuschel sind
es gar mehrere Millionen, dafür aber winzige Larven. Nur wenige davon
haben das Glück, von einem Wirtsfisch eingeatmet zu werden,
um sich an dessen Kiemen zur immer noch winzigen Jungmuschel zu entwickeln.
Die Jungmuschel fällt vom Fisch ab und wächst vergraben
im Bachgrund mehrere Jahre heran, bis sie an die Sedimentoberfläche
kommt und ihr langes gleichförmiges Leben als Filtrierer aufnimmt.
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Muschellarven
an einer Forellenkieme
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Ausgewachsene
Flussperlmuscheln, halb im Bachgrund eingegraben
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Schlamm
gelangt auf vielen Wegen in die Muschelbäche
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Jahrhundertelang
gediehen die Großmuscheln inmitten unserer besiedelten und landwirtschaftlich
genutzten Kulturlandschaft. Sie überstanden die Ausplünderung
der Bestände durch Perlfischerei oder für die Perlmuttindustrie
und die Eingriffe in ihren Lebensraum für die Teich- und Mühlenwirtschaft.
Doch nun drohen Bachmuschel und Flussperlmuschel auszusterben: Die Abwässer
einer gewachsenen Bevölkerung und die Düngerüberschüsse
einer Landwirtschaft, die heute ein Vielfaches der Ernten früherer
Jahrhunderte produzieren muss, bringen Nährstoffe und Schlamm
in die Gewässer. Noch immer ist die Gewässerqualität einigermaßen
gut, und sie verbesserte sich auch deutlich durch die Bemühungen zur
Abwasserreinigung. Für die Bachmuschel, und erst recht für die
extreme Reinwasserart Flussperlmuschel reicht sie jedoch nicht mehr aus.
Die erwachsenen Tiere erreichen nun nicht mehr ihr ehedem hohes Alter.
Gefährdet sind beide Muscheln aber besonders dadurch, dass keine der
besonders
empfindlichen Jungmuscheln aufkommen. Aus diesem Grund sind die Bestände
überaltert und im Rückgang begriffen.
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Schlamm
im Gewässer schädigt die sich filtrierend ernährenden Muscheln
Seit vielen Jahren
werden in Tschechien, Sachsen und Bayern Anstrengungen unternommen, um
den Muschelgewässern ihre ursprüngliche herausragende Qualität
zurückzugeben. Weitreichende Verbesserungen des Lebensraumes sind
nötig, um die Muscheln zu erhalten - und entsprechend umfassend
sind die Schutzmaßnahmen, die in diesem Gebiet ergriffen wurden und
werden: Uferschutzstreifen und die Renaturierung von Haupt- und Seitengewässern,
Extensivierung der Landnutzung und Abwasserfreilegung im gesamten Wassereinzugsgebiet
der Muschelvorkommen sind Ziele, an denen verschiedene Projekte arbeiten,
und die letztlich nur in Zusammenarbeit von Anwohnern, Fachbehörden,
Gemeinden, Landwirtschaft, Fischerei und Naturschutz Erfolg haben werden.
Die Europäische Kommission würdigt die europaweite Bedeutung
der Flussperlmuschelbestände am Dreiländereck, aber auch die
bereits erzielten Verbesserungen, indem Sie in zwei EU-INTERREG-Projekten
in Bayern und Sachsen den Schutz der Flussperlmuschel mit Mitteln der Regionalförderung
finanziell unterstützt.
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Das
LIFE-Projekt, ein weiterer Baustein zum Schutz der Großmuscheln
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LIFE-Natur
ist
ein Programm der EU speziell für den Artenschutz. Es fördert
Projekte, die den Lebensraum von bedrohten Arten im Europäischen Schutzgebietsnetz
Natura
2000, den so genannten FFH-Gebieten, verbessern. 2002 wurden
deutschlandweit fünf LIFE-Projekte genehmigt, darunter das Großmuschel-Projekt
am Dreiländereck - eine weitere Auszeichnung für dieses Gebiet.
Maßnahmen und Finanzierung werden vom Bayerischen Naturschutzfonds,
dem Bezirk Oberfranken, dem Landkreis Hof, dem Naturpark Erzgebirge/Vogtland
sowie den Umweltministerien der Länder Bayern und Sachsen kofinanziert.
Der
Beitrag, den das LIFE-Projekt leisten will, konzentriert sich
1)
auf Knotenpunkte im Stoffhaushalt der Gewässer: Schlammfänge
nahe der Mündungen der Seitengewässer verringern den Schlammeintrag
in die Muschelbäche. Ausläufe von Haupt-Dränleitungen werden
geöffnet und das Dränwasser verrieselt, um den feinen Ockerschlamm
zurückzuhalten. Teichanlagen an den Bächen werden erworben und
aus der intensiven Bewirtschaftung genommen, so dass kein Schlamm und keine
Nährstoffe mehr ausgetragen werden.
2)
auf den fehlenden Muschel-Nachwuchs:
Wirtsfische
der Flussperlmuschel und der Bachmuschel werden künstlich mit Muschellarven
infiziert. Die Jungmuscheln, die sich daraus entwickeln und von den Fischen
wieder abfallen, werden in speziell hergerichteten Bachabschnitten ausgesetzt.
Für Elritzen, die Wirtsfische der Bachmuschel, wird der Bach mit flachen
Stellen und mit Totholz versehen, so dass sich diese Kleinfische besser
vor ihren Feinden verstecken und ungestört vermehren können.
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Frisch
von Wirtsfischen abgefallene Jungmuscheln
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Diese
mit Muschellarven infizierte junge Bachforelle
wurde
zu Kontrollzwecken am Schwanz markiert
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Alle Fotos, die nicht anders gekennzeichnet sind, stammen von Christine
Schmidt und Robert Vandré (Schmidt & Partner GbR) und unterliegen
dem Copyright. Sollten Sie daran interessiert sein, diese Fotos in irgendeiner
Weise als Reproduktion oder digital zu verwenden, setzen Sie sich bitte
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